Historie und Moderne

Das Druidentum scheint untrennbar mit den Kelten verbunden.  Sind doch die einzigen schriftlichen Aufzeichnungen über sie aus der Zeit der Römer erhalten geblieben. Die ollen Kelten und Germanen kannten keine Schriftsprache zur Überlieferung. Und so müssen wir uns mit den wenigen „eingefärbten“ Fragmenten z.B. von Plinius dem Älteren  oder Caesar zufrieden geben.

Selbst die  Herkunft des Wortes druid ist bis heute umstritten. Die Bezeichnung für die Druiden ist lange Zeit von dem griechischen Wort „drouis“ (= Eiche) abgeleitet worden, ehe bemerkt wurde, dass dies nur auf einer Andeutung Plinius‘ d. Älteren beruht. Dieser hatte beschrieben, dass weißgewandete Druiden am sechsten Tag im Mondzyklus mit einer goldenen Sichel Mistelzweige von einer Eiche herunterschnitten.

In der neueren Forschung stammt die einleuchtendste Etymologie für das Wort von Jean Markale, der als  Ursprung das  Wort  „druwid“ vorschlägt. Eine Der erste Teil dru kann sowohl „Eiche“ bezeichnen als auch Eigenschaften wie „dicht, kräftig, prall, viel“. Der zweite Teil geht auf die indogermanische Wurzel *weid- zurück und steht so mit dem griechischen eidon („ich erblickte/erkannte“), dem lateinischen Video („ich sehe“) und letztlich auch dem deutschen wissen in einer Reihe. Eine Druide wäre demnach ein besonders  weit  „Sehender“  oder  besonders  viel  „Wissender“

Die „Funktion“ der Druiden  wird  in antiken Aufzeichnungen allerdings oft erwähnt und sie scheinen die Aufgaben von Priestern, Richtern, Ratgebern, Heilkundigen und Wissenschaftlern in sich zu vereinigen.
Anfang des Jahrhunderts wurden aus den Beschreibungen drei Stände gebildet, die bis heute als real angenommen werden.

~ Die Druiden,  sie waren Ratgeber der Fürsten, Richter und Philosophen. Zu ihren Aufgaben gehörte die  Rechtsprechung, aber auch der Vollzug der religiösen Rituale und Opferungen.

~ Die Barden, waren berühmt für die Macht des Wortes  und  Ihre Aufgabe war die Wahrung der mündlichen Überlieferungen- Aber auch Lobpreisungen und Schmählieder vorzutragen.

~ Die Vates. Sie waren Seher und Orakelpriester, welche die Zukunft voraussagten und für die Ritualgestaltung zuständig waren.

Wir  können nicht sicher sein  ob diese Ränge  aufeinander aufbauten (das scheint eine neuzeitliche Erfindung zu sein) oder alle zur Gemeinschaft der Druiden gehörten. Diese schienen aber alle Fähigkeiten in sich zu vereinigen, wobei sie durchaus auf einige spezialisiert waren, was auf eine lange Lehrzeit schließen lässt, die von mehreren Chronisten beschrieben wurde.

Caesar schreibt in „De bello gallico, VI, 13″:
»Viele begeben sich freiwillig in ihre Lehre oder werden von ihren Eltern oder Verwandten zu ihnen geschickt. Es heißt, daß sie dort Verse in großer Zahl auswendig lernen; deswegen bleiben einige zwanzig Jahre lang in ihrer Schule.“

Die Schulzeit von zwanzig Jahren und daß das gesamte Wissen der Druiden stets nur mündlich weiter gegeben wurde, ist auch in anderen Quellen belegt.

Auch bei uns gibt es eine lange Schulzeit, in der wir das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Und wenn wir Glück haben noch eine gute Allgemeinbildung mitbekommen. Das könnte man durchaus als Grundlage der heutigen Druiden nehmen 😉

Sonst ist allerdings alles anders. WebWolfgang3

Die antiken Druiden verschwanden unter dem Ansturm christlich-römischer Invasoren und hinterließen kaum merkliche Spuren. Ihre  Nachfolger finden wir vielleicht verstreut zwischen den irischen Priestern und heimischen Hexen.

In Wales und Irland hat sich das Wissen der Druiden lange erhalten, da die alten Überlieferungen von christlichen Mystikern aufgegriffen uns schriftlich festgehalten wurden.  Allerdings oft  mit neuzeitlichen Vorstellungen, Nationalismus und Romantik verknüpft.

In Verbindung mit der britischen Freimaurerei hat sich dort vor ca. 200 Jahren eine kraftvolle Neo-druische Bewegung entwickelt. Obwohl sich die Neodruiden stark mit antikem Keltentum und britischer Mythologie befassen, stellt es doch eine neue und eigenständige Religion dar, bei der es zentral um Naturverehrung und Astralmystik geht.  Die neuere Entwicklung – von Phillip Carr-Gomm –  „Druidcraft“ verlässt den strikten hermetisch-freimauerischen Stil und geht in eine eher weibliche, dem Wicca angepasste Richtung.

Wenn wir ein wenig tiefer graben,  lassen sich auch bei uns Spuren unserer keltisch/germanischen Wurzeln im Brauchtum und der Volksheilkunde entdecken. In Verbindung mit den Kern-Techniken des Schamanismus lässt sich eine kraftvolle Basis zur Erkundung der uns eigenen magischen Welt erzeugen. Diese Form finden wir inzwischen oft in unseren Breiten.  z.B. in dem „Keltischen Schamanismus“ nach Tom Cowan oder den Büchern von  John und Caitlin Matthews. Diese prägen den 1964 gegründeten OBOD, den Orden der Barden, Vaten und Druiden in England.

Druide zu sein, bedeutet nicht sich zu verkleiden und auf Mittelaltermärkten Kelte zu spielen (wobei das auch ganz nett ist) sondern die Philosophie und das Wort der Wahrheit in die Welt zu tragen und bewusstes Verständnis für die Welt und die Menschen zu entwickeln.