Das Gottprinzip aus Irisch-Keltischer Sicht (Teil 2)

Ich setze nun diese kleine Reihe fort und beginne mit dem „Ende“ der ersten Abhandlung, denn alles ist über:

  • Bartholan oder Partholon noch nicht geschrieben worden:

Als seine Schar auf tausend Männer und viertausend Frauen angewachsen war, setzte ein „großes Sterben“ ein. Datiert wiederum auf den 1.Mai (dies scheint für Inselkelten ein echt „dramaturgischer Tag“ zu sein). Es wird vermutet, dass dies die Strafe für seinen Vatermord gewesen sein kann, den Partholon vor seiner Landung begangen hatte.

  • Durch die Einwanderung entstand das Binom (zweigeteilte Größe) Pferd-Stier, bei dem das Pferd den Ur-Impuls und der Stier die Wucht des Anstoßes und weiterhin die Ideen Wasser und Feuer, Schöpfung und Zerstörung repräsentieren. Das Pferd als erste Ursache der Genese und der Stier ihr Instrument. Über beide herrscht der Gott der Toten mit seinem Doppelgesicht Wasser-Erde; jenseits löst sich aller Dualismus in eine Einheit von Ungeteiltem, des Schlangeneies auf..
  • Tuan Mac Cairil:

Einzig Überlebender der Rasse des Partholon. Angelpunkt, Maßstab und Schlüssel der keltischen Mythologie. Über ein Jahrtausend gehende Metamorphosen, in dieser Zeit durchläuft er einige in sakralen Ikonographien erscheinende Tiergestalten. So lässt sich eine Verbindung zwischen bildlichen Darstellungen und sagen und Mythen herstellen. Tuan Mac Cairil hatte die Eigenschaft, sich den Neuankömmlingen der verschiedenen Einwanderungen anzupassen, indem er nacheinander sich in einen Hirsch, einen Eber, einen Adler und schließlich in einen Lachs verwandelte, die ihrerseits jeweils eine neue Einwanderung markierten. Andererseits lassen sich zivilisatorische Leistungen dieser Einwanderer an ihrem „Sippentieren“ erkennen.

Das Ende der Metamorphosen des Tuan ist nicht weniger interessant: Als Lachs wird er gefangen und einer „Königin“ serviert, die ihn verspeist, davon schwanger wird und ihn dann als menschliches Wesen zur Welt bringt!

So kann er der Nachwelt einen „Augenzeugenbericht“  der gesamten Geschichte liefern.

 

  • Die „Homanisation“:

Der Gott wird als Mensch geboren, zum einen, um Zeugnis abzulegen, zum anderen, um uns das Verständnis für das Verständnis für die keltische Mythologie zu liefern.

Sämtliche „Invasoren“ waren Menschen. Aber in der keltischen Mythologie vollziegt sich die Weihe zum „Menschen“ erst allmählich und erst seine Einbeziehung in die Evolution des Heiligen – die vor dem Menschen begann – wird er auch im spirituellen Sinn dazu.

Im Ganzen gesehen stehen bei diesem Vorgang wirkliche und übersinnliche Fakten der Welten von Tier, Gott und Mensch bis zuletzt im ständigen Austausch und symbolisieren Etappen einer Homanisation und nur im geringen Maß einer Humanisierung.

 

Die gesamte Welt der Kelten und die für Ihre Göttergeschichte gültigen Werte finden in den persönlichen Erlebnissen des Tuan Mac Cairil ihren Niederschlag.

Die „Zeitalter“ der Schöpfungsgeschichte in den aufeinander folgenden Entwicklungsschritten beschreiben einen Kreis, wobei zuerst der Hirsch (Symbol des befruchtenden Königs) auftritt, sowie der Eber (das Land) und danach der Adler, Symbol des Luftgeistes (der Magie, der Seele). Mit dem folgenden Lachs oder Salm schließt sich der Kreis wieder an seinem Aquatischen Ausgangspunkt. Nun kann – seiner selbst sicher – der Mensch erscheinen.

Die Dialektik der Heldensage stützt sich auf die Identifizierung. Einerseits stellen die Tiere Elementarprinzipien des Universums dar, zum anderen die Scharen der Götter, die durch ihre Invasion die verschiedenen Zeitalter einleiten. Tiere, Prinzipien Götterscharen und Zeitalter stehen in so engem Zusammenhang, dass man eine ganze Kette rekonstruieren kann, wenn man in einer der Sagen eines ihrer Glieder wieder erkennt.

 

Wichtige Grundlagen, meines Erachtens, um weiteres über den „Gott in uns“ aus keltischer Sicht überhaupt nachvollziehen zu können.

 

 

„Als meine Gestalt vervollkommnet wurde,

war ich nicht Sohn eines Vaters und einer Mutter,

von neun elementaren Formen stamme ich ab.

Von der Frucht aller Früchte

Von der Frucht des ursprünglichen Gottes

Aus Schlüsselblumen bin ich geformt

Aus der Blüte des Berges

Aus den Blüten der Bäume und Sträucher

Aus dem Lehm der Erde

Aus den Blüten der Nesseln

Und dem Wasser der neunten Welle“

(Talisien, Le Kat Godeu)

 

Und demnächst wird es „gegenständlicher“, versprochen!

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